Von Špičák über die Grenze: Wie aus einem Zwischenstopp ein ganzer Tag wurde
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Weiter geht die Reise: von Klínovec quer durch Tschechien nach Špičák, und von dort keine halbe Stunde über die Grenze zum Geisskopf. Eigentlich war der Bayerische Wald nur als kurzer Abstecher geplant. Geworden ist ein ganzer Tag, eine Nacht auf dem Stellplatz und die Erkenntnis, dass die besten Stopps die sind, die man nicht geplant hat.
Von Klínovec bin ich über Karlsbad weiter nach Špičák gefahren, dem nächsten Gravity-Card-Park, unten im Böhmerwald und nur rund fünf Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. Eine schöne Etappe: keine Autobahnhetze, sondern Landstraßen, Wälder, kleine Orte. Genau die Art Fahrt, für die man mit dem Bus unterwegs ist.
Špičák: Klein, aber fein
Špičák ist der größte und zugleich älteste Bikepark Tschechiens — was man ihm auf den ersten Blick gar nicht ansieht, weil er kompakt daherkommt. Ein kleiner, aber ich muss sagen: feiner Park.
Was ich gleich dazusagen würde: etwas für die ganze Familie ist er nicht unbedingt. Die blaue Linie heißt Good Year und ist zwar nicht sonderlich technisch, hat aber schon einige recht spitze Kehren drin. Mit kleinen Kindern würde ich hier eher nicht runterfahren. Wer „blau“ mit „harmlos“ gleichsetzt, wird hier eines Besseren belehrt.
Der eigentliche Grund, hier zu halten, ist die längere rote Linie, Black Friday. Die geht direkt mit einem kleinen Drop los — Begrüßung ohne Vorwarnung. Wenn man laufen lässt, wird sie recht schnell, und es sind immer wieder Jumps und auch höhere Drops eingebaut, die man sich erst einmal trauen muss. Das Schöne: Man kann alle umfahren. Man entscheidet also selbst, wie viel man mitnimmt, und muss sich nichts beweisen, was man an dem Tag nicht drauf hat.
Dazu viel Grip und ein paar Steinfelder zwischendurch. Diese Linie ist es absolut wert, mehrfach gefahren zu werden — und genau das habe ich gemacht. Ich war einen Nachmittag dort und hatte jede Menge Spaß. Für einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Süden ist das ein sehr guter Deal.
Warum Tschechien so gut funktioniert
Je länger ich hier unterwegs bin, desto mehr schätze ich dieses Land als Bike-Destination. Es ist down to earth. Kein Chichi, keine aufgeblasenen Preise, keine Instagram-Kulisse, für die man extra zahlt. Man kommt an, es funktioniert, und man wird nicht abgezockt.
Am deutlichsten merkt man das beim Essen. Ordentliche Hausmannskost für wenig Geld — und zwar nicht als Notlösung, sondern richtig gut. In Špičák hatte ich abends Ente mit Rotkohl für 14 Euro.
Zum Vergleich: In Österreich zahlt man für einen Kaiserschmarrn 20 Euro. In der Schweiz kostet eine Portion Pommes 15 Euro. Da kocht man doch lieber selber — und genau das ist der Punkt. Es geht nicht darum, ob man es sich leisten kann. Es macht schlicht keinen Spaß, für eine Beilage den Gegenwert eines ganzen Abendessens hinzulegen. Man fühlt sich veräppelt, isst mit halbem Genuss und lässt es beim nächsten Mal.
In Tschechien dreht sich das um. Man geht abends essen, weil es sich lohnt — jeden Abend, wenn man will, ohne dass die Reisekasse anfängt zu bluten. Dazu der Sprit, der deutlich günstiger ist als daheim. Über mehrere Wochen macht das einen spürbaren Unterschied, und zwar nicht nur finanziell: Man ist abends unter Leuten statt allein am Gaskocher.
Das Zweite, was hier deutlich entspannter läuft, ist das Stehen mit dem Wohnmobil. Es ist nicht nur einfacher als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz — es ist auch spürbar günstiger, und oft genug schlicht umsonst. Auch in Špičák gibt es Parkplätze, auf denen man einfach eine Nacht stehen kann. Es stört niemanden, niemand kommt und will Geld, niemand schaut schief. Wer schon mal in den Alpen abends um zehn noch einen legalen Platz gesucht hat, weiß, wie viel Entspannung in diesem einen Punkt steckt.
Der Abstecher, der keiner blieb
Von Špičák ist der Geisskopf keine halbe Stunde entfernt. Man fährt über die Grenze in den Bayerischen Wald, und plötzlich steht man vor einem Berg, von dem ich vorher vor allem den Namen kannte.
Der Plan war überschaubar: vormittags ein paar Abfahrten mitnehmen, mittags weiter Richtung Österreich. Das hat exakt bis zur dritten Liftfahrt gehalten.
Es fängt schon unten an. Der Park empfängt einen mit einer richtig durchdachten Infrastruktur für Camper: Einchecken per QR-Code, beim Losfahren genauso wieder auschecken und bezahlen. Zehn Euro die Nacht. Stromanschluss, ein Containerhäuschen mit Duschen und Toiletten, super sauber. Schattenplätze und sonnige Plätze für alle, die Solar brauchen. Das ist nicht selbstverständlich, und man merkt sofort, dass hier jemand mitgedacht hat, der selbst mit dem Bus unterwegs ist.
Dann der Lift: ein Sechser-Sessel mit diesen modernen Bike-Trägern vorne dran, drei Räder pro Träger. Zügig unterwegs, kurze Umlaufzeiten. Man ist ruckzuck wieder oben und hat oben jedes Mal die Wahl aus einer Menge Strecken — 16 offizielle sind es, auf rund 20 Kilometern.
Und die Trails haben mich dann endgültig festgehalten. North-Shore-Holz mit Geschichte, verblockte Steinfelder, eine brandneue Flowline, dazu naturbelassene Enduro-Strecken auf der Rückseite, auf denen einem keine Menschenseele begegnet. Aus dem halben Tag wurde ein ganzer. Und statt weiterzufahren, stand ich abends auf dem Stellplatz.
Wer wissen will, wie die einzelnen Strecken sind: alles im Geisskopf Trail Guide.
Bike-Feeling und Stellplatz-Community
Was den Abend dann rund gemacht hat, war die Stimmung auf dem Platz. Es standen vielleicht 10 bis 20 Camper da, an einem ganz normalen Montag. Und das ist kein anonymer Autohof, auf dem jeder seine Markise runterlässt und in Ruhe gelassen werden will — das ist ein Bike-Stellplatz. Alle sind aus demselben Grund da.
Entsprechend schnell ist man im Gespräch. Man kommt an, jemand fragt, wie die Trails heute waren, und zwanzig Minuten später weiß man, wo der andere herkommt, wo er als Nächstes hinwill und welche Strecke man morgen unbedingt noch fahren muss. Dieses Bike-Feeling — Community ohne Anstrengung — ist neben den Trails der Hauptgrund, warum ich den Bus dem Hotel vorziehe.
Was die Hände sagen
Drei Tage Geballer stecken jetzt in den Knochen: Klínovec, Špičák, Geisskopf. Und der Geisskopf ist ein steiniger, ehrlicher Park — nach einem vollen Tag spürt man Hände, Unterarme und Nacken deutlich.
Deshalb mache ich es morgen bewusst entspannt. Ich habe fünf Wochen Zeit, und ich habe mir vorgenommen, nicht zu heizen und nicht zu rasen. Genau das war ja der Sinn: nicht möglichst viele Parks abhaken, sondern dableiben, wenn es gut ist. Der Geisskopf war der erste Test dafür, und ich habe ihn bestanden — indem ich geblieben bin.
Weiter Richtung große Berge
Morgen geht es weiter. Raus aus den Mittelgebirgen, rein in die großen Berge. Bis jetzt waren es Erzgebirge, Böhmerwald und Bayerischer Wald — schöne, unterschätzte Reviere, günstig und entspannt, ideal zum Warmfahren. Aber die Alpen warten, und darauf freue ich mich.
Wohin genau, lasse ich noch offen. Der Bus fährt dahin, wo das Wetter und die Lust hinzeigen — das war schon in Runde eins die beste Entscheidung.
Was ich aus dieser Etappe mitnehme: Die besten Stopps sind die, die nicht im Plan standen. Der Geisskopf war als Durchfahrtsstation gedacht und ist der Park geworden, der mich auf dieser Tour bisher am meisten überrascht hat. Und Tschechien bleibt für mich die entspannteste Art, sich auf eine Alpensaison vorzubereiten: günstig, ehrlich, ohne Getue — und mit Ente für 14 Euro.
Geschrieben unterwegs, 20. Juli 2026. Setup für die Neugierigen: Amflow PL E-Enduro, 170 mm, Öhlins RFX 38, EXT Coil, Continental Kryptotal. Bus statt Hotel, immer.