MTB Zone Bikepark Geisskopf: North Shore, verblockte Steinfelder und der vielfältigste Hang Deutschlands

Geplant war ein halber Tag als Zwischenstopp Richtung Alpen. Geworden ist ein ganzer Tag plus Übernachtung — weil der Geisskopf auf einem einzigen, überschaubaren Hang eine Vielfalt unterbringt, die ich so noch nirgends gesehen habe. Ein Guide zu 16 Strecken zwischen North-Shore-Holz, verblockten Steinfeldern und einer brandneuen Flowline.


Der Geisskopf stand eigentlich nur als Zwischenstopp im Kalender. Von Špičák in Tschechien sind es keine halbe Stunde über die Grenze, und der Plan war: vormittags ein paar Abfahrten mitnehmen, mittags weiter Richtung Österreich. Daraus wurde ein ganzer Tag, eine Nacht auf dem Stellplatz und die feste Absicht, beim nächsten Mal zwei Tage einzuplanen.

Der Grund ist simpel: Ich habe inzwischen einige Parks gesehen, aber die Vielfalt, die hier auf diesem vergleichsweise kleinen Hang geboten wird, sucht ihresgleichen. Vom North-Shore-Holz über verblockte Naturtrails bis zu einer frisch gebauten Flowline ist alles da — und zwar nicht als Alibi-Version, sondern jeweils richtig gebaut.


Bikepark Geisskopf auf einen Blick

Info Details
Lage Bischofsmais / Unterbreitenau, Bayerischer Wald, Niederbayern
Eröffnet 11. Juni 1999 — erste als Bikepark geplante Gesamtanlage Europas
Gründer Diddie Schneider (MTB- und BMX-Pionier, Streckenbauer)
Betreiber MTB ZONE Bikeparks (wie Winterberg und Willingen)
Lift 6er-Sessellift mit Bike-Trägern für je 3 Bikes, zügig
Trails 16 offizielle Strecken, ca. 20 km Gesamtlänge
Öffnungszeiten 9:00 – 16:45, letzte Bergfahrt 16:30
Öffnungstage Regulär Mi – So, dazu Feiertage und Ferienzeiten
Gravity Card Ja — einer von 32 Parks der Card 2026
Besonderheit Wiege des europäischen North Shore (erster Evil Eye 1999)
Stellplatz Direkt am Park, 10 € / Nacht, QR-Check-in, Duschen
Website mtbzone-bikepark.com/geisskopf

Die Geschichte: Wo der Bikepark erfunden wurde

Am 11. Juni 1999 wurde am Geisskopf der Bikepark eröffnet — damals unter dem Namen BMW Bikepark, mit dem Autohersteller als Titelsponsor, der hier auch Incentives für seine Mitarbeiter abhielt. Gegründet hat ihn Diddie Schneider, Streckenbauer und Pionier der deutschen MTB- und BMX-Szene, der seit inzwischen rund vier Jahrzehnten Strecken plant und baut.

Angefangen hat es klein und hart: zwei Strecken, eine Downhill und eine Freeride, beide klar für Spezialisten. Von der heutigen Vielfalt war noch nichts zu sehen. Was den Geisskopf aber von Anfang an unterschied, war die Grundidee dahinter — Schneiders Satz dazu ist bis heute das Leitmotiv des Parks:

„Ein Bikepark sollte ein Ort sein, an dem möglichst viele verschiedene Biker Spaß haben, nicht nur Spezialisten."

Ebenfalls 1999 entstand der erste „Evil Eye"-Trail, gebaut mit adidas eyewear als Partner. Damit gehörte der Geisskopf zu den ersten Parks Europas überhaupt, die befahrbare Holzelemente anboten — der Grundstein für den North-Shore-Bau in Europa. Der heutige Merida Timber Coaster ist der direkte Nachfahre dieses Trails. Man fährt hier also über Holz mit Stammbaum.

Später kam noch eine zweite Pionierleistung dazu: Deutschlands erster Flow Country Trail wurde hier von Schneider gebaut, und 2016 entstand mit dem Uphill Flow die weltweit erste eigens für E-Mountainbikes konzipierte Uphill-Strecke.

Ist der Geisskopf der älteste Bikepark Europas?

Man liest diese Behauptung oft, und sie stimmt — aber es kommt auf die Definition an. Denn es gab in Europa vorher schon Berge, an denen man mit dem Lift hochgefahren und eine Piste runtergeballert ist.

Todtnau im Schwarzwald öffnete bereits 1996, drei Jahre vor dem Geisskopf. Todtnau war damals allerdings genau das — eine einzelne, raue Downhill-Rennstrecke für Spezialisten. Und das ist sie im Kern bis heute geblieben. In Frankreich entstand Le Pleney in Morzine 1997 als eine der ersten liftgestützten Abfahrten des Kontinents.

Der Unterschied liegt im Konzept. Todtnau hat die älteste Downhillstrecke Deutschlands. Der Geisskopf war die erste als Bikepark geplante und gebaute Gesamtanlage Europas: Diddie Schneider setzte hier erstmals ein Gesamtkonzept um, das aus mehreren künstlich angelegten Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade bestand, dazu einen Übungsparcours und eine Infrastruktur, die bewusst auf die breite Masse zielte statt auf Rennfahrer.

Das ist der eigentliche Verdienst — und er ist größer als jede Jahreszahl: Nicht eine Strecke, sondern ein Park als Idee. Genau das, was wir heute unter dem Wort verstehen, wurde hier erfunden.

Wie ernst es dem Park mit dieser Breite ist, zeigt eine Erhebung von world of mtb: Beim Geisskopf verteilen sich die Strecken auf 30 % leicht, 30 % mittel, 30 % fortgeschritten und 10 % Experte. Im internationalen Schnitt sind es 15 / 32 / 38 / 15 — der Geisskopf ist also bewusst zugänglicher gebaut als der Durchschnitt, ohne oben herum auszulassen.

Seit 2024 ist der Park über 25 Jahre alt. Für ein Gewerbe, das damals noch nicht existierte, ist das eine Ansage.


Das Gebiet: Klein im Grundriss, riesig im Angebot

Was den Geisskopf heute ausmacht, ist die Dichte. Alles startet oben an der Bergstation, alles endet unten. Keine langen Transfers, keine Wartezeiten zwischen den Sektoren. Und oben hat man jedes Mal die Wahl zwischen Flow, Holz, Sprüngen und richtig verblockter Natur — auf demselben Berg, innerhalb weniger hundert Meter.

Ein Hinweis zur Härte: Der Geisskopf bedient bewusst beide Enden. Auf der einen Seite stehen mit Flow Country Trail, Flow Country II und der Jump Line klassische Bikepark-„Autobahnen" — breit, glatt, planbar, auf denen man ohne böse Überraschungen Kilometer schrubben kann. Auf der anderen Seite ein ganzer Satz steiniger, natürlicher Strecken: Timber Coaster, Mallet, Transformers, Secret Trail, Downhill und die Naturtrails auf der Rückseite. Dort liegt loses Steinmaterial in der Linie, und ordentlich Federweg tut gut. Wer einen Tag überwiegend auf dieser Seite verbringt, spürt abends Hände, Unterarme und Nacken.

Genau diese Spannweite ist der Punkt: Man kann hier einen entspannten Flow-Tag machen oder sich richtig zerlegen lassen — und zwar am selben Berg, mit demselben Liftticket.


Lift & Tickets

Ein 6er-Sessellift bringt einen nach oben, ausgestattet mit den modernen Bike-Trägern an der Vorderseite, die je drei Räder aufnehmen. Das Ein- und Aushängen geht flott, der Lift läuft zügig, und dadurch bleiben die Umlaufzeiten angenehm kurz. Man ist schnell wieder oben.

Geöffnet ist von 9:00 bis 16:45 Uhr, letzte Bergfahrt um 16:30. Wichtig für die Planung: Der Park hat regulär Mittwoch bis Sonntag offen, dazu an Feiertagen und in den Ferienzeiten. Montag und Dienstag sind außerhalb der Ferien normalerweise Ruhetage — mit Ausnahmen. Ich war an einem Montag da, dem 20. Juli, und der Park war regulär geöffnet. Vor der Anreise lohnt trotzdem immer ein Blick auf die Website oder den Instagram-Kanal, weil dort auch kurzfristige Änderungen nach Starkregen oder bei Events stehen.

Der Geisskopf ist Gravity-Card-Gebiet — mit der Karte fährt man ohne zusätzlichen Tagespreis. Die Card umfasst 2026 insgesamt 32 Parks in Europa und gilt von Anfang April bis Anfang November.

Am Park gibt es Bikeshop, Verleih, Werkstatt und eine Bikeschule.


Die Trails im Überblick

Trail Länge Tiefenmeter Charakter Gefahren
Flow Country Trail 2 km −211 m Der Klassiker: flowig, familientauglich, top zum Aufwärmen
Flow Country Trail II ca. 4 km Neue Flowline: enge Turns, am Ende eine Jumpline
Merida Timber Coaster 827 m −138 m North-Shore-Holz trifft ruppiges Steinfeld — der Klassiker
Evil Eye 2.0 / You Go First 629 m −118 m Skinny-North-Shore in Höhe, einzigartig in Deutschland
Mallet-Trail (Freeride) 1 km −214 m Rot, verblockt und steinig — kein Jump-Trail
Transformers 502 m −88 m Wurzeln und Steinfelder, Enduro-Style
Jump Line 657 m −89 m Kurz, machbare Tables, schön geshaped
Downhill 1 km −238 m Schwarz: Gaps, wenig Auslauf, anspruchsvoll
Secret Trail 800 m −132 m Schwarz: hart, steinig, große Rock-Features
Enduro 1 2 km −203 m Natürlich, kleine Sprünge, mit Skinny-Element
Enduro 2 2 km −234 m Pures Enduro, lässt sich schnell laufen lassen
Enduro One Stage 3 2 km −224 m Naturbelassen auf der Rückseite, loamy, off-camber
Jump Trail 121 m −2 m 5er-Table-Line über dem Übungsparcours
Enduro One Stage 6 1 km −212 m Natürlich, steile Kehren, teils technisch
Enduro 1 New Ending 459 m −51 m Alternative zum Verbindungsweg
Unofficial Enduro 1 km −184 m Inoffiziell, wurzlig, alles rollbar
Uphill Flow 3 km +282 m Weltweit erste E-Bike-Uphill-Strecke
X-Ride 529 m −48 m Zum Besuchszeitpunkt gesperrt
Dual Slalom 376 m −43 m Zum Besuchszeitpunkt gesperrt

Längen und Tiefenmeter laut Trailforks. Der Betreiber spricht von 16 offiziellen Strecken auf rund 20 km — Trailforks listet zusätzlich inoffizielle und gesperrte Linien.


Flow Country Trail: Der Klassiker zum Aufwärmen

Angefangen haben wir mit dem Klassiker. Der Flow Country Trail ist super flowig, relativ lang und wirklich ein Trail für die ganze Familie — nie steil, nie gefährlich, nie extrem. Durch die glatte, harte Oberfläche funktioniert er auch bei schlechterem Wetter und mit dem Hardtail. Die Sprünge sind alle überrollbar.

Zum Warmfahren ist er perfekt: Man kommt in den Rhythmus, kann die Bremse laufen lassen, ohne dass es je unangenehm wird, und hat oben genug Kopf frei, um sich für die härteren Sachen einzustellen.


Flow Country Trail II: Die Überraschung

Der zweite Flowtrail ist die neuere Linie am Berg — und die hat mich ehrlich überrascht. Auf Trailforks steht er aktuell als grün, und das führt in die Irre.

Am Anfang kommen schon einige enge Tight Turns. Wenn man da die Bremse laufen lässt, geht er richtig gut ab, obwohl das Gelände gar nicht steil ist. Und gegen Ende folgt eine regelrechte Jumpline. Ja, man kann die Tables alle überrollen — aber die Dinger sind sicherlich vier bis fünf Meter lang. Wer da Gas gibt, schießt sich sauber raus.

Meine Einordnung: mindestens blau, grün wird dem nicht gerecht. Das ändert nichts daran, dass da jemand etwas Richtiges gebaut hat. Ein sehr schöner, moderner Trail — und mit rund vier Kilometern lang genug, dass man unten Arme spürt.


Merida Timber Coaster: Holz mit Geschichte

Den sieht man schon vom Lift aus auf der rechten Seite, und er ist der direkte Nachfahre des ersten Evil Eye von 1999. Was ihn ausmacht, ist der Wechsel: schnelle Holz-Steilkurven mit Sprüngen darin, dann wieder sehr technisch verblockte Steinpassagen. Aus einigen der Steilkurven springt man direkt in den Abhang hinaus — so etwas bin ich vorher noch nie gefahren.

Ein toller Mix aus ruppigem Enduro und verspielten North-Shore-Elementen. Genau mein Stil, und zusammen mit der Evil Eye 2.0 mein Lieblingstrail im Park.

Ein Hinweis: Der erste Anlieger ist bei Feuchtigkeit rutschig und hat schon einige Leute erwischt. Erste Abfahrt also mit Respekt angehen.


Evil Eye 2.0 / You Go First: Der Grund, warum man wiederkommt

Diese Strecke ist in Deutschland einzigartig — entstanden in Zusammenarbeit mit einem internationalen Trailbuilder-Team. Skinny-Elemente in durchaus beachtlicher Höhe, schmale Holzlinien, Drops.

Normalerweise hätte mich genau das abgeschreckt. Dass ich sie überhaupt angegangen bin, verdanke ich einem kleinen Erlebnis auf der Enduro 1 (dazu unten mehr). Und dann war sie der Trail, der mir am meisten Spaß gemacht hat — zusammen mit dem Timber Coaster mein Highlight am Geisskopf.

Ehrlich dazu: Ich habe mehrere Versuche gebraucht, um sie überhaupt komplett am Stück zu fahren. Nicht nur wegen der Schwierigkeit, sondern weil ich immer wieder ungewollt auf einem anderen Trail gelandet bin. Dazu gleich mehr.


Enduro 1 und die Sache mit dem Skinny

Klassische Enduro-Strecke, nicht besonders steil, mit vielen kleinen Sprüngen und Abfahrten von Steinen. Wenn man laufen lässt, wird sie gut schnell und man fliegt schön über die Steinstufen. Fährt man sie langsam, wird sie anstrengend — das ist eine Strecke, die Tempo belohnt.

Etwa auf halbem Weg liegt ein Skinny-Element. „Klein" ist es nicht wirklich: sehr schmal, vielleicht 15 Zentimeter Auflage, und mit einigen Winkeln darin. Ich bin es direkt angefahren und nach anderthalb Metern runtergefallen.

Das hat mir keine Ruhe gelassen. Ich bin es mehrfach neu angefahren, bis ich verstanden hatte, wie ich um die Kurve komme, ohne dass das Hinterrad vom Stamm rutscht. Irgendwann hat es gesessen. Normalerweise bin ich nicht so geduldig — aber bei dem Ding wollte ich es wissen.

Und genau das hat mir dann die Motivation gegeben, mich überhaupt an die Evil Eye 2.0 heranzutrauen. So funktioniert dieser Park: Ein gelöstes Feature öffnet die Tür zum nächsten.


Mallet-Trail: Wo der Name in die Irre führt

Der Mallet läuft unter „Freeride" — und wenn man heute Freeride hört, denkt man an Jump Line. Das ist er überhaupt nicht.

Der Mallet ist eher Downhill: sehr verblockt, steinig, anspruchsvoll, Enduro-mäßig zu fahren. Ich bin ihn relativ häufig gefahren, weil ich beim You Go First mehrfach falsch abgebogen bin und dort gelandet bin — aber auch einmal ganz bewusst komplett durch. Er ist rot eingestuft, gut fahrbar, aber definitiv ruppig. Wer ihn schnell fährt, fährt de facto eine Downhillstrecke.


Transformers: Kurz und wurzlig

Ebenfalls mehrfach gefahren. Viele Wurzeln, Steinfelder, anspruchsvoll, klarer Enduro-Style. Mit gut 500 Metern kurz, aber kein Trail zum Nebenbei-Abrollen.


Jump Line: Machbarer als befürchtet

Vor der Jump Line hatte ich zuerst Sorge, dass die Sprünge zu groß sind. Sind sie nicht. Das sind alles machbare Jumps: coole Tables, schön geshaped, dazu ein paar Anliegerkurven. Relativ kurz, aber wenn man vorher eine der felsigen Strecken gefahren ist, die weiter oben enden, kann man sie am Ende einfach mitnehmen und noch ein paar Sprünge einsammeln. Kann man ruhig machen.


Downhill: Ehrlich schwarz

Die einzige offiziell schwarze Parkstrecke — und ich sage ehrlich: Ich bin an den meisten Features vorbeigerollt.

Da sind viele Sprünge mit Gaps drin, und es gibt wenig Auslauf. Das ist nichts für mich. Eine wirklich anspruchsvolle Downhillstrecke, die richtig knallt, wenn man sie laufen lässt — aber die Features sind kein Einsteiger-Level. Man kann die Strecke durchrollen und hat trotzdem etwas davon; man sollte sich nur nicht einbilden, dass man sie damit gefahren ist.

Wer sie ernsthaft angehen will: vorher anschauen, langsam runter, dann Tempo aufbauen. Auf der Strecke liegen zusätzlich lose Steinbrocken, die einen bei unbekannter Linie kalt erwischen.


Secret Trail: Der Härteste

Der Secret Trail war früher nur für Rennen gebaut und ist inzwischen öffentlich. Wegen einiger größerer Rock-Features stufen ihn die Erbauer selbst als hart ein — und ich finde das absolut angemessen. Steinig, hart, kompromisslos. Auf Trailforks hat er mit ★4.8 die beste Bewertung im Park, und das kommt nicht von ungefähr.


Enduro 2: Pures Enduro im Hauptgebiet

Die Enduro 2 ist einen eigenen Lauf wert: pures Enduro, das man schön schnell laufen lassen kann. Macht richtig Spaß — und sie gehört noch klar zum Hauptgebiet, man muss dafür also nirgendwo hin schieben oder kurbeln. Mit 2 Kilometern und 234 Tiefenmetern ist sie zudem eine der längeren Abfahrten am Berg.


Die Rückseite: Naturtrails ohne Publikum

Auf der anderen Seite des Berges liegen drei sehr naturbelassene Enduro-Strecken. Ich bin die rote gefahren — die Enduro One Stage 3.

Der Untergrund ist ein komplett anderer: Nadelwald-Boden, dadurch relativ rutschig, viel Off-Camber, jede Menge Wurzelkram. Das muss man mögen. Ich mag es sehr gerne.

Oben gibt es außerdem einen schönen Viewpoint mit Gipfelkreuz — lohnt sich für ein Foto, bevor es runtergeht.

So kommt man hin: Mit dem Lift ganz nach oben, dann seitlich der Enduro 2 einen Wanderpfad komplett hinunter bis zur Schotterstraße. Von dort die nächste Abzweigung links, dann die nächste rechts in den großen technischen Anstieg im Wald.

Zwei Hinweise. Erstens: Ich war froh, ein E-Bike zu haben — der Zustieg ist von der Bergstation aus nicht ohne. Zweitens, und wichtiger: Hier ist nichts los. Die Strecken sind zwischendurch technisch, und es kann etwas passieren. Ich bin allein gefahren, hätte aber lieber jemanden dabeigehabt. Wer allein unterwegs ist, sollte das bewusst entscheiden.


Übungsparcours und Airbag

Der Übungsparcours ist einer der besseren, die ich gesehen habe. Ein Feld mit Skinnies und Holzelementen zum Üben, eine Dropbatterie mit wirklich unterschiedlich großen Drops, ein Wallride, dazu Tables und ein Pumptrack. Wer mit dem Mountainbiken anfängt oder gezielt Springen und Balance üben will, ist hier goldrichtig — und kann sich in echten Abstufungen hocharbeiten.

Dazu gibt es neuerdings einen Airbag. Der war bei meinem Besuch nicht in Betrieb — und ehrlich gesagt wäre er mir auch deutlich zu krass gewesen: ein Drei-Meter-Kicker, bei dem oben nochmal gut anderthalb Meter bis zum Landing dazukommen. Er läuft üblicherweise Freitag bis Sonntag; unter der Woche kann man im Bikeshop nachfragen. Wer eher am Anfang steht, sollte wissen, dass es keinen kleineren Absprung gibt.


Konstruktive Kritik: Wo geht's hier lang?

Wenn man typisch deutsch etwas sucht, an dem man meckern könnte, dann ist es die Orientierung. Es gibt viele Varianten innerhalb der einzelnen Trails, und manche kreuzen sich, sodass man plötzlich auf einer anderen Strecke steht, ohne es gewollt zu haben. Bei der Evil Eye 2.0 habe ich mehrere Versuche gebraucht, um sie einmal komplett am Stück zu fahren, weil ich immer wieder woanders herausgekommen bin.

Fairerweise: Genau das macht den Park auch aus. Die Trails werden nicht langweilig. Auch beim zweiten, dritten, vierten Mal findet man neue Varianten und neue Challenges. Ich habe selten erlebt, dass Features so schön gebaut waren, dass ich freiwillig wieder hochgeschoben habe, nur um es nochmal zu probieren.

Mein Tipp: Nehmt euch zwei Tage Zeit für den Geisskopf. Es lohnt sich.


Vor Ort: Stellplatz, Infrastruktur, Community

Übernachten mit dem Wohnmobil

Der Geisskopf begrüßt Camper mit einer richtig durchdachten Infrastruktur — und man muss sich nirgendwo anmelden. Bei der Einfahrt wird schlicht das Nummernschild gescannt, bezahlt wird vor der Ausfahrt per QR-Code. Kein Formular, keine Rezeption, keine Öffnungszeiten, an die man sich halten muss. Angenehm unkompliziert.

Die Preise sind absolut human: 10 € pro Nacht, und auch das Parken ist fair. Dafür bekommt man Stromanschluss und ein Containerhäuschen mit Duschen und Toiletten — super sauber und völlig ausreichend. Platz gibt es reichlich, mit Schattenplätzen ebenso wie sonnigen Stellplätzen für alle, die Solar brauchen.

An meinem Montag standen vielleicht 10 bis 20 Camper auf dem Platz. Und das ist der eigentliche Punkt: Man lernt hier sofort Leute kennen. Es ist ein Bike-Stellplatz, kein anonymer Autohof — alle sind aus demselben Grund da, und entsprechend schnell ist man im Gespräch.

Service

Bikeshop, Verleih, Werkstatt und Bikeschule sind direkt am Park.


Praktische Infos

Anreise — und was der Umweg wirklich kostet: Bischofsmais liegt im Bayerischen Wald bei Deggendorf, also ziemlich weit im Osten. Für die meisten, die aus dem Norden Richtung Alpen unterwegs sind, liegt der Geisskopf damit nicht auf dem Weg. Die Standardroute wäre Nürnberg → München und weiter nach Süden: rund 170 Autobahnkilometer.

Mit Abstecher sieht es so aus: Nürnberg → Deggendorf sind über die A3 etwa 180 km, dazu rund 25 km hinauf nach Bischofsmais. Zurück Richtung Süden geht es über die A92 von Deggendorf nach München, rund 134 km, plus die 25 km wieder hinunter. Unter dem Strich also etwa 365 km statt 170 — der Abstecher kostet damit rund 195 Kilometer Mehrweg und ungefähr zwei Stunden zusätzliche Fahrzeit.

Das sollte man ehrlich einkalkulieren. Für einen halben Tag lohnt sich dieser Umweg meiner Meinung nach nicht. Für zwei Tage schon — weil man dafür einen Park bekommt, den man in den Alpen so nicht findet, plus einen Stellplatz für 10 Euro statt alpiner Campingpreise.

Wer dagegen aus Tschechien kommt, hat es leicht: Von Špičák sind es keine 30 Minuten über die Grenze. Auf dieser Route ist der Geisskopf kein Umweg, sondern liegt praktisch am Weg.

Für wen? Einsteiger sind auf Flow Country, Flow Country II und dem Übungsparcours hervorragend aufgehoben — der Park ist ein guter Ort, um Springen und Balance zu lernen. Fortgeschrittene finden mit Timber Coaster, Evil Eye 2.0, Secret Trail und Downhill mehr als genug. Wer Naturtrails mag, sollte die Rückseite nicht auslassen.

Ausrüstung: Ordentlich Federweg tut gut, der Park ist steiniger als sein Ruf. Vollmontur auf Downhill, Secret Trail und Evil Eye 2.0.

Gravity Card: Der Geisskopf ist Gravity-Card-Gebiet. Mehr zur Gravity Card und meiner Tour →

Trailforks: MTB Zone Bikepark Geisskopf auf Trailforks — Karte mit aktuellem Trail-Status.


Mein Setup

  • Bike: Amflow PL E-MTB
  • Federweg: 170 mm, Öhlins RFX 38 / EXT Coil
  • Reifen: Continental Kryptotal
  • Unterkunft: Wohnmobil, Stellplatz direkt am Park (10 €/Nacht)

Weitere Trail Guides

Diese Guides entstehen auf meiner Gravity Card Entdecker Tour 2025/26 — persönliche Erfahrungsberichte aus der Wohnmobil-Perspektive, mit Fokus auf Trails, Stellplätze und was man wirklich wissen muss.

Gebiet Guide
Trail Park Klínovec Trail Guide →
Bike Republic Sölden Trail Guide →
Drei Länder Enduro Trails / Reschensee Trail Guide →

Fazit

Der Geisskopf ist der Park, der mich auf dieser Tour bisher am meisten überrascht hat. Nicht weil er der größte wäre — ist er nicht — sondern weil auf diesem einen Hang so viele unterschiedliche Fahrgefühle nebeneinander existieren. North-Shore-Holz mit Geschichte, verblockte Steinfelder, eine brandneue Flowline, naturbelassene Enduro-Trails auf der Rückseite ohne einen Menschen weit und breit.

Dazu eine Infrastruktur für Camper, die zeigt, dass hier jemand mitgedacht hat, und ein Stellplatz, auf dem man abends automatisch ins Gespräch kommt. Aus dem geplanten halben Tag wurde ein ganzer plus Übernachtung — und beim nächsten Mal werden es zwei.

Wenn ihr Richtung Alpen unterwegs seid und in Tschechien wart: Der Umweg ist keiner. Er liegt auf dem Weg.


Besucht: 20. Juli 2026 — Teil der Gravity Card Gebiete Entdecker Tour.

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