Zurück auf der Straße: Runde zwei beginnt in Tschechien

Kein sauberer Reisebericht, eher ein Tagebuch. Nach vier Wochen Bergpause für Festival, Familie und Freunde im Nordosten bin ich wieder im Bus unterwegs Richtung Alpen – für die nächsten vier, fünf Wochen. Erster Stopp: der Trail Park Klínovec in Tschechien, ein alter Endgegner und die Frage, wie viel besser man in einem Jahr wird.


Ich bin wieder unterwegs. Nach vier Wochen Bergpause – Festival, Family und Friends im Nordosten Deutschlands – geht es wieder Richtung Alpen. Vier, vielleicht fünf Wochen im Bus liegen vor mir, ein paar Trails, die ich im Juni verpasst habe, und noch einige Bikereviere, die ich zum ersten Mal auschecken will. Es fühlt sich gut an, wieder loszufahren. Genau das Gefühl, das ich am Van Life am meisten mag: Der Tank ist voll, der Kalender leer, und der Berg wartet.

Klínovec: Der Zwischenstopp aus dem Norden

Erster Stopp war Klínovec in Tschechien, im Erzgebirge direkt an der Grenze. Da war ich letztes Jahr schon einmal – und ehrlich gesagt war das damals der allererste Bikepark mit Lift in meinem Leben. Ich fand es gut und wollte jetzt wissen, wie sich meine Skills verändert haben, nachdem ich seitdem ein paar tiefe Meter mit dem Bike hinter mich gebracht habe.

Das Erste, was einem in Tschechien auffällt, sind die Preise. Es fängt beim Sprit an – der Diesel ist deutlich günstiger als daheim. In Deutschland hatte ich noch für 2,20 € den Liter getankt, in Tschechien waren es 1,50 €. Und abends dann das volle Programm: Wir waren im nahegelegenen Ort essen, es gab Schweinshaxe mit Sauerkraut für mich, ein, zwei zünftige Pilsner Urquell, zum Nachtisch Eis mit heißen Himbeeren. Zusammen: 14 Euro. So macht der Urlaub natürlich etwas mehr Spaß als mit dem 20-Euro-Kaiserschmarrn in der Hütte in Saalbach. Man muss nicht jeden Abend essen gehen – aber bei dem Essen greift man gerne zu.

Alex, die Trails und ein alter Endgegner

Getroffen habe ich mich mit meinem Freund Alex aus Hamburg. Zum Aufwärmen sind wir den Azur gefahren, den ewig langen blauen Float-Trail, der wirklich für die ganze Familie taugt – bis wir ab der Hälfte abgebogen sind, weil es uns dann doch zu langweilig wurde. Danach zweimal Rubin, der macht richtig Spaß: kleine Sprünge, schnelle Anlieger, viel Grip, mal Wald, mal offen. Am meisten Laune gemacht hat uns Baron – auch schnell, ein paar Sprünge drin, aber ab der zweiten Hälfte ruppig mit Steinfeldern. Wer den komplett durchzieht, braucht Kraft in Unterarmen und Handgelenken.

Und dann die Illegal. Das war letztes Jahr mein Endgegner. Am Einstieg ist inzwischen eine Jump Line dazugekommen, an die ich mich ehrlich noch nicht rantraue – ein paar Gaps außerhalb meiner Komfortzone. Da muss ich mir mal einen Trainer nehmen und hinterherfahren, damit ich die Geschwindigkeiten richtig einschätzen kann. Aber dann der Einstieg in den Wald, und es geht sofort los: steil, wurzlig, verblockt, steinig, und so bleibt es die ganze Zeit. Einige richtig steile Passagen zum Abrollen, bei denen man die Bremse loslassen muss, sonst geht man über den Lenker. Diesmal bin ich sauber runtergekommen – über die Stellen, an denen ich letztes Jahr noch gescheitert bin. Es hat mir sogar richtig Spaß gemacht: technisch, verblockt, gerade so minimal außerhalb der Komfortzone, dass man sich noch traut, aber gut gefordert wird. Genau mein Ding.

Zum Abschluss noch zweimal Baron, und am Ende standen 55 Kilometer und über 3.000 Tiefenmeter auf der Uhr – nicht schlecht für einen halben Bikepark-Tag. Wer die Trails im Detail wissen will, findet alles im Klínovec Trail Guide.

Hauptsaison, und trotzdem Platz

Eine Sache, die ich extra festhalten will: Ich war am Samstag, den 18. Juli dort – mitten in der absoluten Hauptferienzeit, am Wochenende. Und es war nicht voll. Immer ein bisschen was los, klar, aber man musste nie länger als drei, vier Sessel warten. Auch auf den Trails kam es nur sehr selten zum Stau. Gerade auf den anspruchsvolleren Linien haben die meisten Fahrer schon ein gutes Niveau und eine gewisse Grundgeschwindigkeit drauf, sodass man kaum jemandem auffährt. Das ist wirklich angenehm – gerade im Vergleich zu manchen Parks in Österreich, wo es am Wochenende in der Hauptsaison schon mal richtig voll werden kann.

Schlafen mit Bergblick

Übernachtet haben wir direkt am Park. Es gibt zwei Möglichkeiten: unten an der Talstation auf dem großen Parkplatz, wo der Großteil steht und man im oberen Teil gegen eine kleine Gebühr mit Toiletten und Duschen stehen darf – oder etwas oberhalb auf einem Plateau, bei einem alten Gebäude mit großem Antennenturm. Das hat uns atmosphärisch an die alte NATO-Base in Finale Ligure erinnert – vom Baustil her gar nicht, aber von der Stimmung. Wir standen direkt an der Kante, freier Blick übers Tal und über die Berge, nach Westen ausgerichtet. Heißt: ein wunderschöner, blutroter Sonnenuntergang gratis dazu.

Ein verstauchter Daumen und ein bisschen Kultur

Direkt nebenan liegt noch ein Bikepark, den wir eigentlich auch auschecken wollten. Aber Alex hatte sich auf der Illegal den Daumen verstaucht, also haben wir das an dem Tag gelassen und stattdessen einen Abstecher nach Karlsbad (Karlovy Vary) gemacht – ein bisschen Kulturprogramm. Fürs Becherovka-Museum hat die Zeit gereicht, für den Thermalbadbesuch nicht mehr, aber das geht auch mal so. Ich bin am selben Tag noch weiter zum nächsten Gravity-Card-Park in Tschechien, Špičák. Dazu mehr im nächsten Eintrag.

Was jetzt vor mir liegt

Der Plan für die nächsten Wochen ist bewusst offen – aber ein paar Ziele stehen fest.

Lenzerheide auf jeden Fall. Beim letzten Mal war die höchste Bergfahrt noch nicht offen, und damit fehlen mir noch The Dark Side of the Moon und der lange Trail hinunter nach Arosa. Auch in Flims warten noch einige Strecken auf mich.

Livigno / Mottolino steht ganz oben auf der Liste. Der Park hat erst Ende Juni aufgemacht und war bei meinem letzten Trip noch geschlossen. Mal sehen, wie das Wetter mitspielt.

Und danach? Vielleicht Südtirol – Paganella, Kronplatz –, oder ich bleibe noch etwas länger in der Schweiz und in Österreich. Genau das ist ja der Sinn der Sache: Der Bus fährt dahin, wo das Wetter und die Lust hinzeigen.


Runde zwei hat begonnen, und der Auftakt in Tschechien war genau richtig: günstig, entspannt, ein alter Endgegner besiegt und ein blutroter Sonnenuntergang zum Abschluss. Klínovec ist kein Gebiet, für das man extra anreist – aber als erster Stopp aus dem Norden, zum Warmfahren vor den großen Alpenrevieren, ist es kaum zu schlagen. Jetzt geht es weiter Richtung Berge.


Geschrieben unterwegs, Mitte Juli 2026. Setup für die Neugierigen: Amflow PL E-Enduro, 170 mm, Öhlins RFX 38, EXT Coil, Continental Kryptotal. Bus statt Hotel, immer.

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