Drei Wochen, ein Bus und die halbe Alpenkette: Zurück in Europa

Kein sauberer Reisebericht, eher ein Tagebuch. 21 Tage von Norddeutschland bis nach München, mit dem Bus durch die Alpen, ein Trail nach dem anderen – und das Gefühl, endlich wieder zu Hause zu sein. Auch wenn zu Hause diesmal ein Parkplatz mit Bergblick war.

Ein halbes Jahr Panama steckt einem in den Knochen. Nicht im schlechten Sinn – aber irgendwann hängt man fest, und die Welt da draußen läuft weiter ohne einen. Als ich am 27. Mai endlich in Norddeutschland in den Bus gestiegen und Richtung Süden losgefahren bin, war das mehr als eine Reise. Das war Ankommen. Endlich wieder Van Life. Endlich wieder Europa.

Und das Erste, was mir auffiel, war fast schon banal: Es funktioniert hier alles. Tankstellen, an denen die Karte einfach geht. Straßen ohne Schlaglöcher, in die man ein Motorrad versenken könnte. Leute, die freundlich sind, ohne dass man wissen muss, wie der Hase läuft. Man merkt erst, wie sehr man das vermisst hat, wenn man es ein halbes Jahr lang nicht hatte.

Bodensee-Eck: Wo die Welt noch in Ordnung ist

Am 28. war ich bei Johannes. Der ist vor einem halben Jahr in die Nähe vom Bodensee gezogen, auf die österreichische Seite, und ich verstehe inzwischen sehr gut, warum. Die Gegend hat etwas. Ländlich, gemütlich-lässig, die Leute freundlich, das Essen beim Metzger besser als in den meisten Restaurants, die ich kenne. Da scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Wir haben ein paar Tage zusammen verbracht, waren biken im Brandnertal und drüben in Lenzerheide, und zwischendurch schwimmen am Alten Rhein. Genau die Mischung, die so ein Sommer braucht – vormittags Trails, nachmittags ins Wasser, abends nichts müssen.

Reschen: Mein Revier

Dann der Reschensee. Drei Tage. Und ehrlich – das war biketechnisch das Highlight der ersten Woche. Das Revier ist genau mein Style: Enduro, ruppig, wurzlig, steinig, naturbelassene Trails, die irgendwohin führen statt im Kreis zum Lift. Kein Park-Asphalt, kein Anlieger-Karussell. Einfach Berg, so wie er gewachsen ist. Sehr, sehr geil. Wer wissen will, was es da unten am Dreiländereck wirklich gibt, findet das alles im Drei-Länder-Enduro-Guide.

Jungs-Wochenende: Sechs Mann am Berg

Zurück zu Johannes, weil am Wochenende ein paar Freunde aus Hamburg und München vorbeikamen. Wir waren am Ende zu sechst am Berg – alle mit komplett unterschiedlichen Bike-Leveln, vom soliden Allrounder bis zum vorsichtigen Mitfahrer. Und es hat trotzdem gepasst, was nicht selbstverständlich ist. Genau dafür ist so ein Wochenende da.

Freitag Brandnertal, Samstag rüber nach Lenzerheide, Sonntag nochmal Brandnertal. Drei Tage, zwei Gebiete, eine gute Truppe. Das war die Sorte Wochenende, an die man sich im Winter erinnert.

Flims: Erster Kontakt mit Laax

Nach dem Jungs-Wochenende noch einen Tag nach Flims. Stand auf einem Campingplatz, der gerade im Umbau war, aber trotzdem ganz nett – und habe vor allem das Revier abgecheckt.

Flims liegt relativ hoch, deshalb war erst eine Gondel offen. Aber man merkt sofort, dass man in der Schweiz ist: Die Bahn ist super modern, und beim Einsteigen muss man sich schon entscheiden, wie weit man hochfährt – aktuell drei, später wohl vier verschiedene Ausstiegspunkte. Ich bin zweimal raufgefahren. Beim ersten Mal den Segnes und den Runca Trail – zwei richtig lange Abfahrten, zusammen um die 7 km.

Dann der Stairway to Heaven. Absolut geile Landschaft. Der Weg zum Einstieg führt durch hochalpines Gelände, unten ragt noch der Gletscher rein – super cool. Am Anfang etwas steinig, mit einer kurzen Schiebepassage, aber Trail, Aussicht und Panorama haben das mehr als wettgemacht.

Ein cooler erster Kontakt mit Flims/Laax. Das Gebiet kommt definitiv auf die Wiederkommen-Liste – da warten noch einige Trails auf mich, Nagens und Neverend zum Beispiel. Ich wäre gerne noch einen Tag geblieben, aber das Wetter ist umgeschlagen. Also habe ich mir stattdessen diesen Campingplatz in Sölden rausgesucht.

Sölden: Schnee im Juni

Weiter nach Sölden, vier Tage. Zwei davon war das Wetter mau, aber das hat erstaunlich wenig gestört. Ich stand auf diesem richtig guten Campingplatz mit Wellnessbereich und Sauna, habe ein bisschen gearbeitet, Sachen abgearbeitet, war im Kraftraum, danach in die Sauna. Genau die Art Tage, die man im Van Life manchmal braucht, damit der Rest nicht zerfasert.

Dann klarte es auf, und ich hatte oben richtig viel Spaß. Was mich überrascht hat: Mitte Juni lag oben am Berg noch so viel Schnee, dass einer der Trails gesperrt war. Der obere Teil war beeindruckend – diese Kombi aus Schneefeldern und Trail darunter sieht man nicht oft. Sölden generell: cool. Mehr Charakter, als sein Ruf vermuten lässt – siehe den Sölden-Guide.

Lermoos & Blindsee: Solange es ihn noch gibt

Von Sölden bin ich nach Lermoos, vor allem für den Blindseetrail – der nächstes Jahr wahrscheinlich für Biker gesperrt wird. Was für ein Quatsch. Ich bin überhaupt nicht damit einverstanden, finde es schlicht bescheuert, aber anscheinend bringen Wanderer mehr Geld als Biker. So begründet man dann das Aussperren.

Gestanden bin ich in Biberwier auf dem Campingplatz, und das war richtig nett: 23 € die Nacht im Wohnmobilhafen, gemütlich, Blick auf die Zugspitze, super freundliches Personal, vernünftige Sanitäranlagen. So muss das.

Den Blindseetrail dann gefahren, solange es ihn noch gibt – steinig, viel Geröll, in Teilen hat er mich an den DH Men in Finale Ligure erinnert. Beides legendäre Trails, jeder auf seine Art. Und dann dieser eine Moment: In Finale kommt irgendwann der Blick aufs Meer, hier in Lermoos der Blick auf den See. Diese Kombination aus Bergen und Wasser hat etwas Magisches – egal ob Mittelmeer oder Bergsee.

Am Ende des Trails bin ich baden gegangen und um den Blindsee herumgefahren, dazu ein paar andere Trails in Lermoos. Hat alles Spaß gemacht. Und genau deshalb tut die geplante Sperrung weh: Das ist kein Trail, den man ersetzt.

Saalbach: Abfahrten ohne Ende

Von dort direkt nach Saalbach – ein längerer Ritt, drei Stunden. Und dann: was für ein Revier. Die Trails hier sind absurd lang. Ein paar Beispiele, weil man es sonst kaum glaubt:

Der Hacklberg Trail ist allein schon 5,3 km lang bei 550 Tiefenmetern – und damit ist man noch lange nicht im Tal. Danach hängt man den Bucheck Trail dran, nochmal 3,3 km bei 388 Tiefenmetern. Macht zusammen fast 9 km am Stück mit über 900 Tiefenmetern. Oder der Zwölfer Skyline Trail: 6 km, knapp 500 Tiefenmeter, und auch da steht man erst an der Talstation und nimmt die Z-Line hinterher – nochmal fast 4 km bei 400 Tiefenmetern. Zehn Kilometer Abfahrt am Stück.

An einem Tag habe ich genau zwei Auffahrten gemacht – einmal zur Zwölfer Skyline, einmal zum Hacklberg. Im Grunde zwei Abfahrten. Am Ende standen 20 km Abfahrt und 2.000 Tiefenmeter auf der Uhr. Wo gibt es denn so was?

Und es war hier spürbar mehr los als zum Beispiel in Sölden. Ich war unter der Woche da, auf den Trails merkt man davon nichts – das ist nicht negativ –, aber unten im Dorf ist richtig was geboten: Restaurants offen, Eisdielen, Shops, Bikeshops, eine belebte Fußgängerzone. Einen Tag bin ich rüber nach Leogang. Insgesamt geblieben bin ich drei Tage, vier Nächte. Ich komme auf jeden Fall wieder – nur nicht ganz so lange.

Eine Sache am Rande: Mit der Gravity Card brauche ich die Saalbacher Joker Card eigentlich nicht, zahle über die Unterkunft aber trotzdem dafür. Mein Stellplatz war eher ein Parkplatz und kostete so viel wie der geile Campingplatz mit Wellness in Sölden für 40 €. Die Anbieter können da nichts für – die müssen vermutlich 15–20 € pro Nacht an den Ort für diese Karte abdrücken. Ich mag es einfach nicht, für etwas zu bezahlen, das ich nicht nutze. Prinzipsache. Den geilen Trails tut das keinen Abbruch.

München: Endlich wieder ins Wasser

Zum Schluss nach München, Kumpels besuchen. Ein Tag in der O2 Welle surfen – endlich mal wieder ins Wasser, endlich mal wieder ein Brett unter den Füßen. Das hatte ich ewig nicht mehr gemacht. In einer künstlichen Welle ist das nochmal eine ganz eigene Geschichte – aber dazu mehr, jetzt wo ich tatsächlich da war.

Die Bilanz: 16 Bike-Tage, 8 Gebiete

21 Tage in den Alpen, davon 16 Tage auf dem Bike. Drei Wochen Österreich und Schweiz, acht verschiedene Gebiete – und alles mit der Gravity Card. Die hat sich locker amortisiert: Hätte ich an jedem Tag ein Tagesticket gelöst, wäre ich beim Eineinhalbfachen des Kartenpreises gelandet. So sah die Theke-Rechnung aus, die ich mir gespart habe:

Datum Gebiet Tageskarte
29.5. Brandnertal 58 €
31.5. Lenzerheide 61 €
1.6. 3-Länder-Enduro-Trails 50,50 €
2.6. 3-Länder-Enduro-Trails 50,50 €
3.6. 3-Länder-Enduro-Trails 50,50 €
5.6. Brandnertal 58 €
6.6. Lenzerheide 61 €
7.6. Brandnertal 58 €
8.6. Flims 65 €
11.6. Sölden 61,50 €
13.6. Sölden 61,50 €
14.6. Sölden 61,50 €
15.6. Lermoos 42 €
16.6. Saalbach 66 €
17.6. Saalbach 66 €
18.6. Leogang 66 €
Gesamt 16 Tage 937 €

Und was am Ende auf der Uhr stand, laut Strava – Gondel-Höhenmeter natürlich inklusive:

Woche Distanz Höhenmeter
1 158 km 8.346 hm
2 223 km 13.055 hm
3 11 km 10.844 hm
4 142 km 10.421 hm
Gesamt 534 km 42.666 hm

Über 530 Kilometer, mehr als 42.000 Höhenmeter, ein Bus, ein Bike. Nicht schlecht für drei Wochen, in denen es sich die meiste Zeit nicht nach Leistung, sondern nach Sommer angefühlt hat.


Drei Wochen, ein Bus, die halbe Alpenkette. Trails, die genau mein Ding waren, ein paar, die es nicht waren, eine Truppe alter Freunde, kaltes Wasser an heißen Tagen und das stille, gute Gefühl, wieder dort zu sein, wo die Dinge funktionieren und die Leute freundlich sind. Nach einem halben Jahr Panama war genau das der Plan. Aufgegangen ist er auch.


Geschrieben unterwegs, Anfang Sommer 2026. Setup für die Neugierigen: Amflow PL E-Enduro, 170 mm, Öhlins RFX 38, EXT Coil, Continental Kryptotal. Bus statt Hotel, immer.

Zurück zum Blog